Ein neues Haus soll möglichst viele Jahrzehnte überstehen. Bei der Planung stehen deshalb häufig Wärmedämmung, Heiztechnik, Grundriss und Baukosten im Mittelpunkt. Ein Thema erhält dagegen oft erst dann größere Aufmerksamkeit, wenn Probleme auftreten: die Entwässerung des Grundstücks. Dabei können bereits wenige Zentimeter Wasser an der falschen Stelle erhebliche Schäden verursachen.
Heftige Niederschläge, versiegelte Flächen und überlastete Kanalisationen machen deutlich, wie wichtig ein durchdachtes Regenwasserkonzept ist. Besonders bei Neubauten lassen sich viele Risiken frühzeitig reduzieren. Versickerungsanlagen, Zisternen und technische Rückstausicherungen können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Entscheidend ist, dass sie nicht isoliert betrachtet werden, sondern Teil einer abgestimmten Grundstücks- und Gebäudeplanung sind.
Warum Regenwasser bereits bei der Grundstücksplanung berücksichtigt werden sollte
Wie sich Regenwasser auf einem Grundstück verhält, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der Niederschlagsmenge spielen das Geländegefälle, die Bodenbeschaffenheit, der Grundwasserstand und der Anteil versiegelter Flächen eine wichtige Rolle.
Auf sandigen Böden kann Niederschlagswasser häufig vergleichsweise schnell versickern. Stark lehmhaltige Böden nehmen Wasser dagegen deutlich langsamer auf. Bei ungünstigen Verhältnissen sammelt sich Regenwasser an der Oberfläche und fließt in tiefer gelegene Bereiche.
Besonders problematisch wird dies, wenn das Gelände zum Haus hin abfällt. Dann können sich größere Wassermengen vor Kellertreppen, Lichtschächten oder bodentiefen Fenstern sammeln.
Schon während der Planung sollten deshalb Geländehöhen, Entwässerungswege und mögliche Überflutungsbereiche untersucht werden. Eine wichtige Grundlage können kommunale Starkregengefahrenkarten sein, sofern diese für den jeweiligen Standort vorliegen.
Regenwasser versickern lassen statt vollständig ableiten
Die Versickerung auf dem eigenen Grundstück gewinnt im Neubau zunehmend an Bedeutung. Sie kann die öffentliche Kanalisation entlasten und dazu beitragen, den natürlichen Wasserhaushalt weniger stark zu verändern.
Eine vergleichsweise einfache Lösung ist die Muldenversickerung. Dabei wird Regenwasser in eine flache, begrünte Vertiefung geleitet, wo es sich vorübergehend sammelt und anschließend durch den Boden versickert.
Für Grundstücke mit begrenztem Platzangebot kommen unterirdische Rigolensysteme infrage. Eine Rigole besteht aus einem wasserdurchlässigen Speicherkörper, der Regenwasser zunächst aufnimmt und zeitverzögert an den umgebenden Boden abgibt.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Nicht jeder Boden eignet sich für eine Versickerungsanlage. Entscheidend sind insbesondere die Wasserdurchlässigkeit, der Abstand zum Grundwasser und die Lage zu Gebäuden.
Eine Bodenuntersuchung kann deshalb sinnvoll oder erforderlich sein. Sie liefert wichtige Informationen für die Dimensionierung und hilft, ungeeignete Lösungen frühzeitig auszuschließen.
Auch rechtliche Vorgaben müssen berücksichtigt werden. Je nach Bundesland und Kommune gelten unterschiedliche Anforderungen an die Versickerung und Einleitung von Niederschlagswasser. Maßgeblich sind unter anderem die örtliche Entwässerungssatzung und einschlägige technische Regelwerke wie die DWA-A 138.
Zisternen machen Regenwasser nutzbar
Während Versickerungsanlagen Regenwasser in den Boden zurückführen, dienen Zisternen in erster Linie der Speicherung und späteren Nutzung.
Das von geeigneten Dachflächen gesammelte Wasser wird über Fallrohre und Filter in einen unterirdischen oder oberirdischen Speicher geleitet. Anschließend kann es beispielsweise für die Gartenbewässerung verwendet werden. Mit einer entsprechend geplanten Regenwassernutzungsanlage ist auch eine Verwendung für Toilettenspülungen oder Waschmaschinen möglich.
Wie groß eine Zisterne sein sollte, hängt von der angeschlossenen Dachfläche, dem örtlichen Niederschlag und dem tatsächlichen Wasserbedarf ab. Ein besonders großer Speicher ist nicht automatisch wirtschaftlicher, wenn nur wenig Wasser benötigt wird.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Regenwassernutzung und Regenwasserrückhaltung. Eine vollständig gefüllte Zisterne kann bei Starkregen kein zusätzliches Wasser aufnehmen. Soll sie gleichzeitig der Entlastung der Entwässerung dienen, muss dafür ein geeignetes Rückhaltevolumen vorgesehen werden.
Der Überlauf benötigt ebenfalls einen fachgerecht geplanten Anschluss, beispielsweise an eine zulässige Versickerungsanlage oder eine dafür vorgesehene Entwässerung.
Rückstau aus der Kanalisation: Eine oft unterschätzte Gefahr
Bei starken Niederschlägen kann die öffentliche Kanalisation zeitweise überlastet sein. Steigt der Wasserspiegel im Kanal, kann Abwasser über angeschlossene Leitungen in Gebäude zurückdrücken.
Gefährdet sind insbesondere Entwässerungsgegenstände unterhalb der sogenannten Rückstauebene. Diese wird in der Regel durch die örtliche Entwässerungssatzung festgelegt und liegt häufig ungefähr auf Straßenniveau.
Betroffen sein können beispielsweise Bodenabläufe, Waschbecken, Duschen oder Toiletten im Keller.
Zum Schutz kommen Rückstauverschlüsse oder Abwasserhebeanlagen infrage. Welche Lösung zulässig und technisch geeignet ist, hängt von der Nutzung der Räume und der Art des Abwassers ab.
Eine Hebeanlage fördert das Abwasser über eine Rückstauschleife oberhalb der Rückstauebene. Rückstauverschlüsse dürfen dagegen nur unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden. Besonders bei regelmäßig genutzten Kellerräumen oder Toiletten ist eine fachgerechte Planung entscheidend.
Keller, Lichtschächte und Hauseingänge vor Oberflächenwasser schützen
Nicht jeder Wasserschaden entsteht durch Rückstau aus der Kanalisation. Bei Starkregen kann Wasser auch direkt über das Gelände in ein Gebäude gelangen.
Besonders gefährdet sind tiefer liegende Hauseingänge, Kellerabgänge, Garagenzufahrten und Lichtschächte. Schon kleine Höhenunterschiede können darüber entscheiden, ob Wasser am Gebäude vorbeifließt oder sich unmittelbar davor sammelt.
Bei der Planung sollten deshalb mehrere Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden:
- Ausreichend hohe Schwellen und geeignete Abdichtungen an gefährdeten Türen und Fenstern.
- Ein Geländegefälle, das Oberflächenwasser möglichst vom Gebäude wegführt.
- Fachgerecht entwässerte Kellerabgänge und Lichtschächte.
- Sichere Notwasserwege für Niederschlagsmengen, die reguläre Entwässerungsanlagen übersteigen.
Besonders wichtig ist, dass Entwässerungsrinnen und Abläufe nicht als alleiniger Schutz betrachtet werden. Wenn sie verstopfen oder die angeschlossene Leitung überlastet ist, kann sich Wasser trotzdem aufstauen.
Bei Grundstücken mit ausgeprägter Hanglage können zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein, um oberflächlich zufließendes Wasser kontrolliert abzuleiten.
Welche Rolle spielen wasserdurchlässige Außenflächen?
Neben technischen Entwässerungsanlagen beeinflusst auch die Gestaltung der Außenflächen den Wasserabfluss.
Vollständig versiegelte Einfahrten und Terrassen führen dazu, dass Regenwasser kaum direkt in den Boden gelangen kann. Wasserdurchlässige Pflastersysteme, geeignete Fugenmaterialien und entsprechend aufgebaute Tragschichten können den Oberflächenabfluss reduzieren.
Allerdings muss der gesamte Aufbau auf die Bodenverhältnisse abgestimmt sein. Ein wasserdurchlässiger Pflasterstein allein genügt nicht, wenn die darunterliegenden Schichten kein Wasser aufnehmen oder weiterleiten können.
Bei Stellplätzen und Einfahrten müssen zudem Tragfähigkeit, Frostsicherheit und die zu erwartende Belastung berücksichtigt werden.
Welche Kosten entstehen für Entwässerung und Schutzmaßnahmen?
Die Kosten unterscheiden sich je nach Grundstück, Anlagengröße und Einbausituation erheblich. Eine einfache oberirdische Regenwassernutzung ist vergleichsweise günstig. Unterirdische Speicher und Versickerungsanlagen erfordern dagegen meist umfangreichere Erdarbeiten.
Für kleinere Rigolenanlagen können einschließlich Einbau grob etwa 1.500 bis 5.000 Euro anfallen. Unterirdische Zisternen liegen je nach Größe, Ausstattung und Einbaubedingungen häufig bei etwa 2.000 bis 6.000 Euro oder darüber.
Auch Rückstausicherungen verursachen zusätzliche Kosten. Einfache, zulässige Rückstauverschlüsse sind meist günstiger als vollständige Hebeanlagen. Bei letzteren können einschließlich Installation mehrere Tausend Euro entstehen.
Diese Beträge dienen lediglich als Orientierung. Schwierige Bodenverhältnisse, hohe Grundwasserstände, umfangreiche Leitungsarbeiten oder besondere Anforderungen können die Kosten deutlich erhöhen.
Ein durchdachtes Entwässerungskonzept schützt langfristig
Regenwasser sollte beim Hausbau nicht erst dann zum Thema werden, wenn Dachrinnen, Fallrohre und Außenanlagen installiert werden. Bereits die Grundstücksplanung entscheidet darüber, wohin Niederschläge fließen und welche Bereiche bei außergewöhnlichen Regenereignissen gefährdet sind.
Besonders sinnvoll ist die Kombination unterschiedlicher Maßnahmen. Versickerungsanlagen können den Wasserabfluss reduzieren, Zisternen machen Regenwasser nutzbar und Rückstausicherungen schützen gefährdete Entwässerungsstellen im Gebäude. Ergänzend sorgen geeignete Geländehöhen und sichere Fließwege dafür, dass Oberflächenwasser möglichst nicht ins Haus gelangt.
Ein vollständiger Schutz vor extremem Starkregen lässt sich damit zwar nicht garantieren. Eine frühzeitige und fachgerechte Planung kann das Schadensrisiko jedoch erheblich verringern. Gleichzeitig lassen sich viele Maßnahmen im Neubau einfacher und wirtschaftlicher umsetzen als bei einer späteren Nachrüstung.







