Mit der energetischen Sanierung werden auch neue Technologien und Verfahren entwickelt. Unlängst wurden erstmals vorgefertigte Fassadenelemente und Dachelemente verwendet, und damit eine neue Geschwindigkeit im Sanierungsprozess erreicht. Entwickelt wurde das Verfahren bereits 2013 im benachbarten Holland. Seit dem wird die Fließbandproduktion, genannt „Energiesprong“, dort eingesetzt.

In Deutschland kam nun unlängst ein Pilotprojekt in Hameln zur Umsetzung. Ein Wohnblock aus den 1930er Jahren stand bereits seit Jahren leer. 2019 begann eine Innensanierung, dann wurden vorgefertigte Fassadenelemente aus Lärche als neue Fassade angebracht. Fenster und Installationen waren bereits in das Fassadenelement inkludiert, auch die Wärmedämmung. Die Elemente weisen die Abmessungen 7 x 2,85 Meter auf und sind 36 Zentimeter dick. Gleich wie andere vorgefertigte Fassaden wurden sie im Werk produziert und mittels LKW auf die Baustelle transportiert. Das sanierte Gebäude arbeitet nun mit einer Wärmepumpe und einer Lüftung zur Wärmerückgewinnung, es konnte so ein KfW55-Standard erreicht werden.

Welches Konzept steckt dahinter?

Das als Fließbandfassade verkaufte Neukonzept ist in Wirklichkeit bereits seit längerem ein wichtiger Prozess im Neubau. Gerade im Holzbau werden derzeit viele Elemente bereits im Werk vorgefertigt und dann an der Baustelle nur noch zusammengebaut. Diese Verfahrensweise nun auf den sanierungsbedürftigen Altbau auszudehnen ist konsequenterweise nur eine Fortsetzung des Trends. Trotzdem ist das Potential gewaltig. Die Deutsche Energieagentur schätzt die Sanierungsmöglichkeiten auf rund 300.000 Immobilien, die zwischen den 1950-er und 1970-er Jahren errichtet wurden. Jedes Haus kann einzeln mit Laser-Scannern vermessen werden, um dann maßgefertigte Module im Werk erstellen zu können. Für eine serielle Sanierung sollten die Elemente ähnlich ausgebildet werden.

Geworben wird mit einer kurzen Bauzeit, manchmal könnten die Bewohner und Bewohnerinnen sogar in ihren Häusern bleiben. Tatsächlich ist das aber nicht der Fall. In Hameln beim Pilotprojekt kam es zu Verzögerungen. Dies hatte damit zu tun, dass bei Sanierungen die bestehende Bausubstanz nicht eingeschätzt werden konnte.