Die Materialwahl bei Dichtungen richtet sich nicht nach dem Preis, sondern nach der Belastung. EPDM ist die richtige Wahl bei Wetter, UV und Ozon. NBR gehört dorthin, wo Öle und Kraftstoffe im Spiel sind. Silikon deckt extreme Temperaturen ab. Wer diese drei Grundregeln kennt, trifft in den meisten Fällen die richtige Entscheidung. Der zweite Teil dieses Beitrags zeigt, wie Sie das gewählte Material sauber auf Maß bringen.
Warum die falsche Materialwahl teurer ist als das teurere Material
Eine Dichtung, die der Belastung nicht standhält, versagt nicht sofort, sondern schleichend. Sie verhärtet, verliert ihre Rückstellkraft und lässt zunehmend Luft, Wasser oder Staub durch. Bis der Schaden auffällt, ist oft bereits Folgeschaden entstanden.
Der Preisunterschied zwischen den Materialien ist im Vergleich zum Austausch einer eingebauten Dichtung gering. Die relevante Frage lautet deshalb nicht, welches Material das günstigste ist, sondern welches der tatsächlichen Belastung über die geplante Nutzungsdauer standhält.
EPDM: der Standard für den Außenbereich
EPDM ist bekannt für seine Witterungsbeständigkeit. Das Material hält UV-Strahlung und Ozon gut stand, ist alterungsbeständig und behält seine Eigenschaften auch bei starken Temperaturschwankungen. Zusätzlich ist es beständig gegen Dampf, Gase sowie leichte Säuren und Laugen.
Das macht es zum Standardmaterial für Fenster- und Türdichtungen, Fassadenanschlüsse und alle dauerhaft bewitterten Anwendungen. Der wichtige Vorbehalt: EPDM ist nicht ölbeständig. In Kontakt mit Mineralölen, Fetten oder Kraftstoffen quillt das Material auf und verliert seine Dichtwirkung.
NBR: die Wahl bei Öl und Kraftstoff
Nitrilkautschuk ist das Gegenstück zu EPDM. Wo EPDM bei Öl versagt, ist NBR beständig, und wo EPDM bei UV glänzt, ist NBR empfindlich.
Eingesetzt wird NBR überall dort, wo Dichtungen mit Ölen, Fetten oder Kraftstoffen in Kontakt kommen: in der Maschinentechnik, im Fahrzeugbau, bei Hydraulikanwendungen und in der Verarbeitungsindustrie. Für dauerhaft bewitterte Außenanwendungen ist es ohne zusätzlichen Schutz nicht geeignet.
Silikon: für extreme Temperaturen
Silikonkautschuk deckt den mit Abstand größten Temperaturbereich ab. Es bleibt bei sehr niedrigen Temperaturen flexibel und hält gleichzeitig hohe Dauertemperaturen aus, bei denen andere Elastomere längst verhärtet wären.
Typische Einsatzfelder sind Ofendichtungen, Beleuchtungstechnik, Lebensmittel- und Medizintechnik sowie Anwendungen mit häufigen Temperaturwechseln. Der Vorbehalt liegt bei den mechanischen Eigenschaften: Silikon hat eine geringere Reißfestigkeit und Abriebbeständigkeit als EPDM oder NBR.
Vergleichstabelle
| Eigenschaft | EPDM | NBR | Silikon |
| UV und Ozon | Sehr gut | Schwach | Sehr gut |
| Öl und Kraftstoff | Ungeeignet | Sehr gut | Begrenzt |
| Temperaturbereich | Breit | Mittel | Sehr breit |
| Mechanische Festigkeit | Gut | Sehr gut | Schwächer |
| Wasser und Dampf | Sehr gut | Gut | Gut |
| Typischer Einsatz | Bau, Fenster, Fassade | Maschinen, Fahrzeug | Hitze, Lebensmittel |
Was ist mit Neopren, SBR und Butyl?
- Neopren. Gute flammhemmende Eigenschaften und bessere Ölbeständigkeit als EPDM. Ein sinnvoller Kompromiss, wenn sowohl Witterung als auch leichter Ölkontakt vorliegen.
- SBR. Ein wirtschaftlicher Allrounder für mechanisch beanspruchte Anwendungen ohne besondere Medienbelastung, etwa als Auflagegummi oder Unterlegmaterial.
- Butyl. Sehr geringe Gasdurchlässigkeit, deshalb interessant bei Anforderungen an Luft- und Dampfdichtheit.
- Naturkautschuk. Die besten mechanischen Rückstelleigenschaften, aber empfindlich gegenüber UV und Ozon.

Vollgummi, Zellkautschuk oder Moosgummi?
Neben dem Rohstoff entscheidet die Struktur über das Verhalten der Dichtung. Drei Bauarten sind zu unterscheiden.
Vollgummi ist massiv und härter, dadurch weniger verformbar. Es wird eingesetzt, wo Druck verteilt oder eine formstabile Auflage gebraucht wird.
Zellkautschuk hat eine durchgehend geschlossene Zellstruktur und ist dadurch luft- und wasserdicht bei gleichzeitig guter Verformbarkeit. Es ist das klassische Material für Dichtungsbänder und Zugluftstopper.
Moosgummi hat eine offene Zellstruktur mit einer geschlossenen Außenhaut, die im Extrusionsverfahren entsteht. Diese Haut macht das Material luft- und wasserdicht und verhindert zusätzlich Moosbildung bei Außeneinsatz mit Wasserkontakt.
Für eine Rahmendichtung, die beim Schließen komprimiert wird, ist Zellkautschuk oder Moosgummi die richtige Wahl. Für eine tragende Auflage ist es Vollgummi. Eine Übersicht der lieferbaren Bauarten und Profilformen bietet EKI Dichtungsmaterial.
Wie viel darf eine Dichtung komprimiert werden?
Ein Wert, der in der Praxis oft übersehen wird. Geschlossenzellige Materialien sollten nicht dauerhaft um mehr als etwa 50 Prozent zusammengedrückt werden. Wird diese Grenze überschritten, brechen die Zellstrukturen, und die Dichtung stellt sich nicht mehr vollständig zurück.
Bei härteren Materialien liegt der zulässige Prozentsatz deutlich niedriger, bei sehr weichen offenzelligen Materialien höher. Messen Sie deshalb den Einbauspalt und wählen Sie die Profilstärke so, dass die Dichtung im eingebauten Zustand innerhalb ihres zulässigen Bereichs arbeitet. Als Faustregel für Rahmendichtungen gilt eine Materialstärke von etwa 20 bis 30 Prozent über dem Spaltmaß.
Zuschnitt: das richtige Werkzeug
Der häufigste Fehler beim Zuschneiden von Schaumgummi ist ein zu langsamer Schnitt mit stumpfer Klinge. Für den Zuschnitt ist wichtig: Die Außenhaut ist deutlich fester als der Kern. Eine stumpfe Klinge drückt die Haut ein, bevor sie sie durchtrennt, und reißt sie dann ungleichmäßig auf. Das Ergebnis ist eine ausgefranste Kante, die an der Dichtstelle als erstes verschleißt.
| Material | Werkzeug | Hinweis |
| Dünne Streifen bis 5 mm | Cuttermesser, scharfe Klinge | In einem Zug schneiden |
| Profile bis 25 mm | Cuttermesser oder Elektromesser | Klinge häufig wechseln |
| Platten über 25 mm | Elektro- oder Schaumstoffmesser | Führungsschiene verwenden |
| Rundprofile | Scharfe Schere oder Cutter | Beim Halten nicht quetschen |
| Feine Konturen | Skalpell oder Bastelmesser | Schablone anzeichnen |
Die vier Regeln für einen sauberen Schnitt
- Klinge scharf halten. Bei Schaummaterialien stumpft eine Cutterklinge schneller ab als erwartet. Brechen Sie das Segment lieber einmal zu oft ab als einmal zu wenig.
- Nicht quetschen. Fixieren Sie das Material, ohne es zusammenzudrücken. Ein gestauchtes Profil ergibt beim Entspannen einen schiefen Schnitt.
- In einem Zug arbeiten. Sägende Bewegungen erzeugen eine wellige Kante. Klinge ansetzen und durchziehen.
- Unterlage verwenden. Eine Schneidmatte verhindert, dass die Klinge am Ende ausbricht und die Kante ausfranst.
Selbstklebendes Material zuschneiden
Bei selbstklebenden Profilen bleibt die Schutzfolie bis nach dem Zuschnitt drauf. Sie stabilisiert das Material und schützt die Klebeschicht vor Staub und Handfett. Schneiden Sie von der Folienseite her, so durchtrennen Sie zuerst die feste Folie und dann das weichere Material. Kleberreste auf der Klinge zwischendurch mit Isopropanol abwischen.
Gehrungsschnitte für Rahmen
Bei umlaufenden Rahmendichtungen entscheidet die Eckausführung über die Dichtheit. Bei D-Profilen und größeren Querschnitten werden beide Enden auf 45 Grad angeschrägt und ohne Lücke aneinandergesetzt. Zeichnen Sie den Winkel an, freihändig wird eine Gehrung an weichem Material selten genau. Bei weichen Rundprofilen mit kleinem Querschnitt kann das Profil stattdessen im Bogen um die Ecke geführt werden.
Selbst zuschneiden oder anfertigen lassen?
Für gerade Längenschnitte und einfache Streifen ist der eigene Zuschnitt schnell und gut machbar. Sobald es um Wiederholgenauigkeit, Konturen oder größere Stückzahlen geht, verschiebt sich die Rechnung.
Hersteller fertigen Schaumgummi und Moosgummi in Standardmaßen und als maßgeschneiderte Lösung, wahlweise in großen Mengen oder kleinen Stückzahlen. Verfügbar sind Profile, Bänder, Platten und selbstklebende Ausführungen. Wer genaue Abmessungen oder wiederkehrende Konturen braucht, kann direkt beim Hersteller Moosgummi kaufen und den Zuschnitt mitbestellen.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, aus welchem Material meine alte Dichtung besteht?
Ohne Prüfung ist das schwer. Ein Anhaltspunkt: Eine verhärtete, rissige Außendichtung deutet auf UV-Alterung hin und damit auf ein Material, das für den Außeneinsatz ungeeignet war. Eine aufgequollene, weiche Dichtung in Maschinennähe deutet auf Ölkontakt bei einem nicht ölbeständigen Material hin.
Was bedeutet die Angabe Shore A?
Shore A ist das Maß für die Härte von Gummi und Moosgummi. Bestimmt wird sie durch Ausüben einer definierten Kraft und Messen der Eindringtiefe. Niedrige Werte bedeuten weiches, gut komprimierbares Material, höhere Werte härteres und formstabileres.
Kann ich Schaumgummi mit einer Stichsäge schneiden?
Davon ist abzuraten. Das Sägeblatt reißt das Material auf, statt es zu trennen, und erzeugt eine stark ausgefranste Kante. Für dicke Platten ist ein Elektromesser mit gegenläufigen Klingen das deutlich bessere Werkzeug.
Warum ist meine Schnittkante schräg statt gerade?
Fast immer, weil das Material beim Schneiden zusammengedrückt wurde. Beim Entspannen kehrt es in seine Ausgangsform zurück, und die zuvor gerade Schnittfläche wird schief. Halten Sie das Material fest, ohne Druck aufzubauen.
Gibt es Dichtungsmaterialien mit Zulassung für Lebensmittelkontakt?
Ja, insbesondere im Silikonbereich und bei bestimmten EPDM-Qualitäten. Achten Sie auf die entsprechenden Angaben im technischen Datenblatt und fragen Sie beim Hersteller gezielt nach der Zulassung für Ihre Anwendung.







