Nach einem kräftigen Sommergewitter steht das Wasser auf der Terrasse, läuft über die Einfahrt und sammelt sich an der Hauswand. Wenige Wochen später ist der Rasen ausgetrocknet, und die Beete müssen regelmäßig bewässert werden. Was zunächst widersprüchlich erscheint, hängt eng miteinander zusammen: Viele Grundstücke sind darauf ausgelegt, Regenwasser möglichst schnell abzuleiten, statt es vor Ort zurückzuhalten und nutzbar zu machen.
Im Garten- und Landschaftsbau gewinnt deshalb das Prinzip des Schwammgartens an Bedeutung. Es orientiert sich an der sogenannten Schwammstadt, bei der Regenwasser durch geeignete Flächen und Speichersysteme aufgenommen, zurückgehalten und möglichst langsam wieder abgegeben wird. Auch private Grundstücke können nach diesem Prinzip gestaltet werden. Dabei geht es nicht um eine einzelne technische Lösung, sondern um das Zusammenspiel von Boden, Bepflanzung, Oberflächen und Entwässerung.
Warum herkömmliche Gartengestaltung an Grenzen stößt
Versiegelte Einfahrten, gepflasterte Terrassen und verdichtete Böden verhindern, dass Regenwasser ausreichend versickern kann. Bei intensiven Niederschlägen fließt es deshalb oberflächlich ab und belastet die Grundstücksentwässerung. Besonders problematisch wird dies, wenn Wasser in Richtung Gebäude oder tiefer liegender Kellereingänge gelangt.
Auch vermeintlich wasserdurchlässige Schotterflächen erfüllen nicht automatisch eine sinnvolle Entwässerungsfunktion. Liegt unter dem Schotter eine wasserundurchlässige Folie oder ist der Untergrund stark verdichtet, kann Niederschlagswasser kaum in tiefere Bodenschichten gelangen.
Ein Schwammgarten verfolgt einen anderen Ansatz. Regenwasser soll möglichst dort aufgenommen werden, wo es anfällt. Ein Teil versickert im Boden, ein Teil wird zwischengespeichert und ein weiterer Teil kann von Pflanzen aufgenommen oder zur Bewässerung genutzt werden.
Versickerungsmulden: Regenwasser kontrolliert aufnehmen
Eine vergleichsweise einfache Möglichkeit zur Regenwasserbewirtschaftung sind flache, begrünte Versickerungsmulden. Sie werden so angelegt, dass Oberflächenwasser von angrenzenden Wegen, Terrassen oder geeigneten Dachflächen hineinfließen kann.
Während eines Regenschauers sammelt sich das Wasser zunächst in der Mulde und versickert anschließend durch die bewachsene Bodenschicht. Diese kann zugleich dazu beitragen, bestimmte Verunreinigungen zurückzuhalten.
Entscheidend sind die Durchlässigkeit des Bodens und eine ausreichende Dimensionierung. Sandige Böden lassen Wasser meist schneller versickern als stark lehmhaltige Untergründe. Bei ungünstigen Bodenverhältnissen kann eine einfache Mulde daher ungeeignet sein.
Auch der Abstand zu Gebäuden und der Grundwasserstand müssen berücksichtigt werden. Eine falsch platzierte Versickerungsanlage kann Feuchtigkeitsprobleme an Fundamenten begünstigen. Deshalb sollten insbesondere größere Anlagen fachgerecht geplant werden.
Regengärten verbinden Entwässerung und Bepflanzung
Eine gestalterisch interessante Variante der Versickerungsmulde ist der Regengarten. Dabei handelt es sich um eine bepflanzte, leicht abgesenkte Gartenfläche, die zeitweise Regenwasser aufnimmt.
Anders als ein dauerhaft feuchtes Beet fällt ein Regengarten zwischen den Niederschlägen häufig wieder trocken. Die Pflanzen müssen deshalb sowohl kurzzeitige Überflutungen als auch längere trockene Phasen vertragen.
Geeignet sind standortabhängig beispielsweise bestimmte Seggen, robuste Stauden und Gräser. Entscheidend ist die konkrete Feuchtezone innerhalb des Beetes. Im tiefsten Bereich werden Pflanzen benötigt, die zeitweilige Nässe vertragen, während an den Rändern eher trockenheitsverträgliche Arten infrage kommen.
Ein gut angelegter Regengarten kann nicht nur zur Entwässerung beitragen, sondern auch Lebensräume für Insekten schaffen und die Gartenstruktur bereichern. Allerdings ersetzt die Bepflanzung keine ausreichende hydraulische Planung. Bei Starkregen muss geklärt sein, wohin überschüssiges Wasser sicher abfließen kann.
Wasserdurchlässige Pflasterflächen statt vollständiger Versiegelung
Einfahrten, Gartenwege und Stellplätze bieten häufig erhebliches Potenzial für eine bessere Regenwasserbewirtschaftung. Anstelle vollständig versiegelter Oberflächen können wasserdurchlässige Pflastersysteme eingesetzt werden.
Dazu gehören beispielsweise Pflastersteine mit breiten, wasserdurchlässig verfüllten Fugen, spezielle haufwerksporige Betonsteine oder Rasengittersteine. Das Regenwasser gelangt durch die Oberfläche in den darunterliegenden Aufbau.
Allerdings funktioniert das nur, wenn auch Bettung und Tragschicht ausreichend wasserdurchlässig sind. Eine durchlässige Pflasteroberfläche auf einer ungeeigneten Unterkonstruktion bietet kaum Vorteile.
Bei regelmäßig befahrenen Flächen müssen außerdem Tragfähigkeit, Frostsicherheit und Belastung berücksichtigt werden. Nicht jedes System eignet sich für schwere Fahrzeuge oder stark beanspruchte Zufahrten. Auch die Reinigung spielt eine Rolle, da sich wasserdurchlässige Fugen mit der Zeit zusetzen können.
Regenwasser unterirdisch speichern
Wo oberirdisch wenig Platz vorhanden ist, kommen unterirdische Speicher- und Versickerungssysteme infrage. Dabei ist zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Lösungen zu unterscheiden.
Eine Regenwasserzisterne sammelt Niederschlagswasser, das anschließend beispielsweise für die Gartenbewässerung verwendet werden kann. Unterirdische Tanks bieten größere Speichervolumen, ohne dauerhaft Gartenfläche zu beanspruchen. Die passende Größe hängt unter anderem von Dachfläche, Niederschlagsmenge und Wasserbedarf ab.
Eine Versickerungsrigole dient dagegen vor allem dazu, Regenwasser vorübergehend aufzunehmen und anschließend in den umgebenden Boden abzugeben. Sie besteht häufig aus einem unterirdischen Speicherkörper mit hohem Hohlraumanteil.
Beide Systeme können sinnvoll sein, erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben. Eine volle Zisterne kann bei Starkregen nur dann zusätzliches Wasser aufnehmen, wenn zuvor Speichervolumen frei geworden ist oder ein entsprechend geplantes Rückhaltesystem vorhanden ist.
Was kostet die Umgestaltung zum Schwammgarten?
Die Kosten hängen stark von Grundstücksgröße, Bodenverhältnissen, Zugänglichkeit und gewählter Technik ab. Einfache Maßnahmen wie die Entsiegelung kleiner Flächen oder das Anlegen eines bepflanzten Regenbeetes lassen sich häufig mit überschaubarem Aufwand umsetzen.
Als grobe Orientierungswerte können folgende Größenordnungen dienen:
| Maßnahme | Ungefähre Kosten |
|---|---|
| Einfaches Regenbeet | 50–150 Euro pro m² |
| Begrünte Versickerungsmulde | 40–120 Euro pro m² |
| Wasserdurchlässige Pflasterfläche | 70–160 Euro pro m² |
| Unterirdische Regenwasserzisterne | 2.000–6.000 Euro inklusive einfacher Installation |
| Rigolenversickerung | 1.500–5.000 Euro für kleinere Anlagen |
Die Angaben sind unverbindliche Richtwerte. Erdarbeiten, Bodenaustausch, Entsorgung, Leitungsverlegung und schwierige Einbaubedingungen können die Gesamtkosten deutlich erhöhen. Bei Versickerungsanlagen kommen gegebenenfalls Kosten für Bodenuntersuchungen und Planung hinzu.
Langfristig können sich bestimmte Maßnahmen durch einen geringeren Trinkwasserverbrauch für die Gartenbewässerung oder niedrigere Niederschlagswassergebühren auszahlen. Ob Gebühren reduziert werden, hängt allerdings von den örtlichen Regelungen ab.
Bestehende Gärten schrittweise anpassen
Ein Schwammgarten muss nicht vollständig neu angelegt werden. Oft ist es sinnvoller, zunächst die größten Schwachstellen auf dem Grundstück zu identifizieren.
Besonders wirksam kann es sein, unnötig versiegelte Flächen zurückzubauen, verdichtete Gartenböden zu verbessern oder Regenwasser von geeigneten Dachflächen in eine fachgerecht geplante Versickerungsfläche umzuleiten.
Auch eine Regentonne oder Zisterne kann einen Beitrag leisten, insbesondere wenn im Sommer regelmäßig Bewässerungswasser benötigt wird. Ergänzend helfen standortgerechte Pflanzen und eine ausreichende Bodenbedeckung dabei, die Verdunstung aus dem Boden zu verringern.
Vor größeren Veränderungen sollten jedoch die örtlichen Vorgaben geprüft werden. Für die Versickerung von Niederschlagswasser können wasserrechtliche Anforderungen, kommunale Entwässerungssatzungen und technische Regelwerke wie die DWA-A 138 maßgeblich sein.
Ein Garten, der Wasser als Ressource nutzt
Der Schwammgarten verändert die Perspektive auf Regenwasser. Statt Niederschläge möglichst schnell vom Grundstück abzuleiten, wird Wasser gezielt zurückgehalten, versickert oder für trockene Zeiten gespeichert.
Dabei muss ein solcher Garten keineswegs wie eine technische Entwässerungsanlage aussehen. Begrünte Mulden, bepflanzte Senken, durchlässige Wege und unauffällig integrierte Speicher lassen sich mit unterschiedlichen Gartenstilen verbinden.
Wichtig ist eine Planung, die Bodenbeschaffenheit, Grundstücksgefälle und Gebäudeschutz gleichermaßen berücksichtigt. Ein Schwammgarten kann die Folgen gewöhnlicher und stärkerer Regenereignisse abmildern, bietet aber keinen vollständigen Schutz vor extremen Überflutungen.
Richtig umgesetzt entsteht eine Außenanlage, die nicht nur ansprechend gestaltet ist, sondern auch mit wechselnden Wetterbedingungen besser umgehen kann. Gerade diese Verbindung aus Gartengestaltung und funktionaler Regenwasserbewirtschaftung dürfte im Garten- und Landschaftsbau weiter an Bedeutung gewinnen.







