Bitumenanstriche werden seit Jahrzehnten im Bauwesen eingesetzt, vor allem als Schutzschicht gegen Feuchtigkeit. Im Zusammenhang mit Holzbauteilen taucht immer wieder die Frage auf, ob ein Bitumenanstrich eine geeignete Maßnahme zum Holzschutz ist. Die Antwort fällt differenziert aus, denn Bitumen kann Holz zwar kurzfristig vor Wasser schützen, bringt jedoch auch erhebliche Einschränkungen und Risiken mit sich.
Was ein Bitumenanstrich leisten kann
Bitumen ist ein wasserundurchlässiges, erdölbasiertes Material, das als dickflüssiger Anstrich oder als Beschichtung aufgetragen wird. Auf mineralischen Untergründen wie Beton oder Mauerwerk bewährt sich Bitumen seit Langem, da es das Eindringen von Bodenfeuchte zuverlässig verhindert. Wird Holz mit Bitumen gestrichen, entsteht zunächst ebenfalls eine wasserabweisende Schicht, die das direkte Eindringen von Feuchtigkeit verhindert.
Gerade bei Bauteilen mit Bodenkontakt, etwa bei Pfosten oder Unterkonstruktionen im Außenbereich, erscheint Bitumen auf den ersten Blick als einfache Schutzlösung. Der Anstrich ist vergleichsweise günstig und leicht aufzubringen, was ihn für handwerkliche Eigenleistungen attraktiv macht.
Probleme bei der Anwendung auf Holz
Holz unterscheidet sich grundlegend von mineralischen Baustoffen. Es ist ein hygroskopisches Material, das Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Genau hier liegt das Hauptproblem eines Bitumenanstrichs. Die Beschichtung ist nahezu diffusionsdicht und verhindert den natürlichen Feuchteausgleich des Holzes.
Dringt Feuchtigkeit von der Rückseite, über Schnittkanten oder kleine Beschädigungen ein, kann sie nicht mehr entweichen. Die Folge ist ein Feuchtestau im Holz, der Fäulnis, Schimmelbildung und einen beschleunigten Holzabbau begünstigt. Besonders kritisch ist dies bei Bauteilen, die wechselnder Witterung ausgesetzt sind.
Hinzu kommt, dass Bitumen mit der Zeit spröde werden kann. Risse in der Beschichtung lassen Wasser eindringen, ohne dass die Schutzwirkung sichtbar beeinträchtigt erscheint. Dadurch entsteht ein trügerisches Sicherheitsgefühl.
Eingeschränkte Einsatzbereiche
Ein Bitumenanstrich auf Holz ist nur in sehr speziellen Fällen sinnvoll. Dazu zählen verdeckte Bereiche ohne Rücktrocknungserfordernis, etwa als Trennschicht zwischen Holz und Beton, um kapillare Feuchte vom Holz fernzuhalten. In solchen Fällen wird Bitumen nicht als flächiger Holzschutz, sondern als punktuelle Abdichtung eingesetzt.
Für sichtbare Holzbauteile im Außenbereich, für Fassaden, Terrassenkonstruktionen oder Zäune ist Bitumen hingegen ungeeignet. Die optische Wirkung ist stark eingeschränkt, und die langfristigen Risiken überwiegen den kurzfristigen Nutzen deutlich.
Geeignete Alternativen zum Holzschutz
Für den dauerhaften Schutz von Holz stehen heute deutlich geeignetere Systeme zur Verfügung. Diffusionsoffene Holzschutzlasuren und -farben schützen vor Feuchtigkeit, ohne den natürlichen Feuchteausgleich zu blockieren. Auch konstruktiver Holzschutz spielt eine zentrale Rolle, etwa durch ausreichende Hinterlüftung, Abstand zum Boden und den Schutz von Stirnflächen.
In erdnahen Bereichen kommen spezielle Holzschutzmittel oder technisch modifizierte Hölzer zum Einsatz, die von Natur aus widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit sind.
Eine Frage der richtigen Anwendung
Ein Bitumenanstrich ist kein universeller Holzschutz und sollte nicht pauschal eingesetzt werden. Während er als Abdichtung auf mineralischen Untergründen sinnvoll ist, widerspricht er den materialtypischen Eigenschaften von Holz. In den meisten Fällen führt der Einsatz zu langfristigen Schäden, statt sie zu verhindern.
Wer Holz dauerhaft schützen möchte, sollte auf materialgerechte, diffusionsoffene Systeme setzen und den konstruktiven Holzschutz in den Vordergrund stellen. So bleibt die natürliche Dauerhaftigkeit des Holzes erhalten, ohne unnötige Risiken einzugehen.







