Schule ohne Ecken, mit Kanten
In Massy, 25 Kilometer südwestlich von Paris, entstand eine neue Sekundarschule für 800 Jugendliche, das Collège Claudine Hermann. Die Verzahnung des Neubaus mit dem Grünraum sowie hohe Anforderungen an Energieeffizienz und ökologisches Bauen zeichnen das Projekt aus – es erfüllt den französischen Umweltstandard E3C1.
Die Schule grenzt an einen Park, der große Flächenbedarf wurde mit Rücksicht auf den Landschaftsraum als kompakter, dreigeschossiger Bau umgesetzt. Zwei bestehende Gebäude wurden energetisch ertüchtigt (Passivhaus EnerPHit) und bieten heute Platz für ein Auditorium und Mitarbeiterwohnungen. Die U-förmige Anordnung der Gebäudeflügel des Neubaus reagiert auf den Kontext. Zur Straße bildet der Bau eine gerade Kante, die seitlichen Flügel führen zum Park und eine alte Zeder bildet den Mittelpunkt des Pausenhofs.
Präzise Rundungen
Der Bau ist in den eingeschossigen, massiven Sockel aus gefärbtem Sichtbeton und zwei Obergeschosse in Holzrahmenbauweise geteilt. Die gestaffelte Kubatur löst das große Bauvolumen in Schichten auf, die sich in das Hanggrundstück einbetten. Für die Obergeschosse wurde eine warmweiße Putzoberfläche mit feinkörniger Textur verwendet. Auffälliges Detail sind die gerundeten Ecken, die sanft die Winkel des U-förmigen Baukörpers umspielen. „Wir brauchten dieses Material, das uns eine Kontinuität ohne Fugen, ohne Materialunterbrechungen ermöglicht“, erklärt Paul Pressensé vom Planungsbüro Ameller Dubois. Dank der sorgfältigen Arbeit des Fachhandwerkers (Artib aus Limeil-Brévannes) wurden diese Ecken so präzise ausgeführt, dass selbst Streiflicht gleichmäßig über die Putzoberfläche fällt.
Viel Tageslicht
Fensterbänder und schmale Metallkanten gliedern die Fassade und betonen die Horizontale. Der hohe Glasanteil unterstützt den Eindruck von Leichtigkeit und Offenheit. Die Fenster lassen viel Tageslicht nach innen und erlauben Ausblicke in den Grünraum. Die ockerfarbenen Metallkanten formen eine elegante Attika. Die Fenster sind in der Fassade zurückgesetzt, metallene Laibungen – in Farbe und Proportion an die anderen Metallverkleidungen angepasst – rahmen den Fenstersturz.
Strenge Anforderungen
Die Ausfachung der Obergeschosse erfolgte mit Mineralwolle. Eine zweite vollflächige Dämmschicht auf den Holzrahmen dient als Trägermaterial für den Putz. Der gesamte Wandaufbau erreicht so einen Wärmedurchlasskoeffizienten von 0,15 W/m2K. „Das Gebäude wurde nach den strengen Umweltstandards E3C1 entworfen, die einen extrem niedrigen Energieverbrauch und eine äußerst kontrollierte CO2-Bilanz garantieren“ betonen Stéphan Védrenne und Paul Pressensé von Ameller Dubois.
Zudem galt es, hohe Anforderungen an den Brandschutz zu erfüllen. Das Holztragwerk musste vollständig nichtbrennbar umhüllt werden, um die Tragfähigkeit im Brandfall zu gewährleisten. Nach außen sichert dies die zusätzliche Dämmebene aus 60 Millimeter dicker Steinwolle, innen sind es Gipsplatten (BA18).
Hohe Effizienz
Zur energieeffizienten Ausrichtung zählen auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und passive Strategien wie Sonnenschutz gegen zu hohe solare Wärmeinträge. Das Regenwasser wird gesammelt und genutzt. Mit diesem Konzept wurden mehrere Zertifizierungen für einen energieeffizienten und bauökologisch anspruchsvollen Bau erreicht, der einen konventionellen Standard übertrifft.
Bild: Hugo Hébrard, Paris / Sto SE & Co. KGaA

