Niedrige Pegelstände auf Rhein und anderen deutschen Wasserstraßen entwickeln sich zunehmend zu einem Problem für die Bauwirtschaft. Binnenschiffe können bei geringer Wassertiefe nur einen Teil ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Gerade bei schweren Massengütern, die für die Baustoffproduktion benötigt werden, macht sich die eingeschränkte Transportkapazität bemerkbar. Erste Lieferungen verzögern sich, zugleich steigen die Kosten für Logistik und Materialien.
Für Bauunternehmen kommt die Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Baustoffpreise und Transportkosten haben bereits mehrere Phasen deutlicher Verteuerungen hinter sich. Hält das Niedrigwasser länger an, könnte sich der Kostendruck bei verschiedenen Bauprojekten erneut verschärfen.
Sand, Kies und Naturstein besonders betroffen
Die Binnenschifffahrt spielt für die Versorgung der Baustoffindustrie eine wichtige Rolle. Große Mengen an Sand, Kies, Splitt und Naturstein lassen sich vergleichsweise effizient über Flüsse transportieren. Auch Brenn- und Kraftstoffe sowie mineralische Bauabfälle werden regelmäßig auf dem Wasserweg bewegt.
Sinkt der Pegel, können Frachtschiffe aus Sicherheitsgründen nicht mehr vollständig beladen werden. Für die gleiche Gütermenge sind dadurch mehr Fahrten oder zusätzliche Schiffe erforderlich. Das verteuert den Transport und reduziert gleichzeitig die verfügbaren Kapazitäten.
Besonders relevant ist die Situation für Betonwerke. Fehlen Sand und Kies oder treffen die Rohstoffe verspätet ein, können sich die Auswirkungen entlang der gesamten Lieferkette fortsetzen. Davon betroffen sein können sowohl der Wohnungsbau als auch öffentliche Projekte wie Schulen und andere Infrastrukturmaßnahmen.
Alternative Transportwege sind nur begrenzt verfügbar
Grundsätzlich können Baustoffe teilweise auf Straße oder Schiene verlagert werden. Ein vollständiger Ersatz der Binnenschifffahrt ist kurzfristig jedoch kaum möglich. Für große Mengen schwerer mineralischer Rohstoffe müssten erhebliche zusätzliche Lkw- oder Bahnkapazitäten bereitgestellt werden.
Hinzu kommen höhere Kosten. Ein einzelnes Binnenschiff kann große Gütermengen transportieren, für die auf der Straße zahlreiche Lastwagen notwendig wären. Eine Verlagerung erhöht deshalb nicht nur den organisatorischen Aufwand, sondern kann auch die Transportpreise deutlich nach oben treiben.
Die Bauindustrie rechnet derzeit zwar nicht mit einem flächendeckenden Stillstand von Baustellen. Lieferanten haben jedoch bereits mögliche Engpässe bei einzelnen Baustoffen angekündigt, falls die niedrigen Wasserstände länger bestehen bleiben.
Bauprojekte werden anfälliger für Verzögerungen
Für die Bauwirtschaft ist weniger ein kurzfristiger Engpass das zentrale Problem als die Dauer der Situation. Je länger wichtige Wasserstraßen nur eingeschränkt genutzt werden können, desto größer wird das Risiko, dass sich Lieferverzögerungen durch nachgelagerte Bauprozesse ziehen.
Auf Baustellen sind viele Arbeitsschritte eng aufeinander abgestimmt. Fehlt beispielsweise Beton oder ein benötigter mineralischer Baustoff zum vorgesehenen Zeitpunkt, können nachfolgende Gewerke nicht planmäßig beginnen. Aus einem verspäteten Materialtransport kann dadurch eine deutlich längere Verzögerung im Bauablauf entstehen.
Klimatische Risiken werden zum Faktor für die Baustoffversorgung
Das aktuelle Niedrigwasser verdeutlicht zugleich, wie abhängig Teile der Bauwirtschaft von funktionierenden Transportwegen sind. Extrem niedrige Pegelstände werden damit neben Energiepreisen, Rohstoffverfügbarkeit und geopolitischen Entwicklungen zu einem weiteren Risiko für Lieferketten.
Kurzfristig dürften vor allem höhere Frachtraten und punktuelle Lieferprobleme spürbar werden. Bleibt die Situation über einen längeren Zeitraum angespannt, könnten jedoch weitere Preissteigerungen bei Baustoffen folgen. Für Bauunternehmen und Auftraggeber gewinnt deshalb eine möglichst frühzeitige Material- und Logistikplanung weiter an Bedeutung.
Quelle: n-tv.de

