Die Erwartungen waren groß: Mit zusätzlichen Milliarden für Infrastruktur und öffentliche Gebäude sollte das Sondervermögen des Bundes auch der angeschlagenen Bauwirtschaft neue Nachfrage bringen. In der Praxis ist davon bislang jedoch nur punktuell etwas zu spüren. Eine aktuelle Branchenbefragung zeigt, dass zahlreiche Baustoffhersteller für 2026 kaum mit zusätzlichen Geschäften rechnen. Vor allem Unternehmen, die stark vom klassischen Hochbau abhängig sind, bleiben zurückhaltend.
Nur wenige Hersteller erwarten kurzfristig deutliche Effekte
Nach einer Erhebung des Marktforschungsinstituts BauInfoConsult stimmen lediglich 18 Prozent der befragten Hersteller uneingeschränkt der Einschätzung zu, bereits im laufenden Jahr von Investitionen aus dem Sondervermögen zu profitieren. Weitere 43 Prozent rechnen zumindest teilweise mit positiven Auswirkungen. Rund ein Drittel erwartet dagegen überwiegend keinen zusätzlichen Effekt.
Die Ergebnisse beruhen auf Online-Interviews mit 40 Herstellern von Baustoffen und Installationsmaterialien. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Stichprobe liefern sie zwar kein vollständiges Bild der gesamten Branche, zeigen aber deutlich die derzeitige Stimmung: Zwischen bereitgestellten Milliarden und tatsächlich vergebenen Bauaufträgen liegt ein erheblicher zeitlicher Abstand.
Infrastrukturinvestitionen helfen nicht jedem Gewerk
Ein wesentlicher Grund liegt in der Verwendung der zusätzlichen Mittel. Große Summen sind für Straßen, Brücken, Schienen und andere öffentliche Infrastruktur vorgesehen. Davon profitieren zunächst insbesondere Tiefbauunternehmen und Hersteller entsprechender Baustoffe.
Für hochbauorientierte Bereiche sieht die Situation anders aus. Hersteller aus den Segmenten Ausbau, Außenwand, Küche, Bad sowie Türen und Tore erwarten deutlich weniger unmittelbare Impulse. Neue Verkehrswege sorgen schließlich nicht automatisch für zusätzliche Nachfrage nach Innentüren, Sanitärprodukten oder Küchenausstattung.
Damit dürfte sich das Sondervermögen innerhalb der Bauwirtschaft sehr unterschiedlich auswirken. Während einzelne Bereiche zusätzliche Kapazitäten benötigen könnten, bleibt die Auftragslage in anderen Segmenten zunächst angespannt.
Rohbau, Elektro und Heizung sehen bessere Chancen
Etwas optimistischer fällt die Einschätzung bei Rohbaustoffen und Elektroinstallationsmaterial aus. Auch Teile der Heizungsbranche rechnen mit zusätzlichen Geschäften. Dabei spielt eine Rolle, dass die staatlichen Investitionen nicht ausschließlich in Verkehrsprojekte fließen.
Werden beispielsweise Schulen, Kindertagesstätten oder Verwaltungsgebäude saniert, erweitert oder neu gebaut, entsteht Nachfrage in zahlreichen Gewerken. Neben Beton, Mauerwerk und Dämmstoffen werden dann auch Elektro-, Heizungs- und Gebäudetechnik benötigt. Solche Projekte können deshalb wesentlich breitere konjunkturelle Effekte entfalten als reine Tiefbaumaßnahmen.
Entscheidend ist das Tempo der Umsetzung
Das Sondervermögen kann der Bauwirtschaft langfristig erhebliche zusätzliche Nachfrage verschaffen. Kurzfristig entscheidet jedoch weniger die Höhe der bereitgestellten Milliarden als die Geschwindigkeit, mit der daraus baureife Projekte, Ausschreibungen und vergebene Aufträge entstehen.
Planungsverfahren, Genehmigungen, kommunale Kapazitäten und Vergabeverfahren können den Mittelabfluss erheblich verzögern. Für Unternehmen zählt letztlich nicht, welche Summe politisch vorgesehen ist, sondern wann konkrete Projekte auf den Markt kommen.
Für 2026 zeichnet sich deshalb kein flächendeckender Bauboom ab. Wahrscheinlicher ist eine schrittweise Belebung, die zunächst bestimmte Bereiche wie Infrastruktur und Rohbau erreicht. Ob daraus ein breiter Aufschwung für die gesamte Bauwirtschaft entsteht, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie schnell Bund, Länder und Kommunen die zusätzlichen finanziellen Möglichkeiten tatsächlich auf die Baustellen bringen.

